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Farbige Spaghetti und Tabellen, Tabellen, Tabellen

Dieser Artikel gehört zum Wortkompass-Schreibkurs 2017.

Ich hab euch in den letzten Wochen etliche Linien malen lassen und ich verspreche euch, dass ihr es nach dem Kurs nie wieder machen müsst. Persönlich mag ich es sehr gern mit Farben zu arbeiten, vor allem, wenn es kompliziert wird. Anstatt die Wörter in dem Manuskript zu analysieren, um den roten Faden zu finden, hat man ihn bildlich vor sich – als Hauptplot, als Subplots und Nebenplots. Man kann sehen, wie alle Fäden zusammenlaufen. Wenn man den gesamten Text durchliest, verliert man eventuell die Übersicht. Ein eingeführter Subplot wird nie zu Ende geführt oder der Antagonist taucht erst zur Klimax auf, ohne davor eingeführt worden zu sein. Malt man den Antagonisten als farbige Linie hin, sieht man deutlich, dass es kein Faden, sondern ein hingeworfener Knäuel ist.

Die Szenenliste ist die wörtliche und detaillierte Ausführung von euren farbigen Plotlinien. Beides zusammen finde ich wichtig. Mit eurer Szenenliste könnt ihr Struktur, Inhalt, Entwicklung, Emotion/Atmosphäre und Logik überprüfen.

  • Länge

    Beurteilt anhand der Anzahl der Wörter, Seiten und Szenen, ob die Handlung zu schnell oder zu langsam Dauert es zu lange bis zum ersten Plot Turn, steckt häufig zu viel Vorgeschichte und Erklärung drin. Ist der zweite Wendepunkt zu früh, ist es ein Indiz dafür, dass der Autor nicht zum Ende kommen kann. Gibt es inhaltliche oder dramaturgische Wiederholungen? Wenn der Protagonist drei Plot Turn I braucht, um zu Potte zu kommen, wirkt es sich negativ auf den Lesefluss aus.

  • Reihenfolge

    Ergibt es Sinn, wer wann und wie eingeführt wird? Ausgenommen vom Prolog will der Leser den Protagonisten in der ersten Szene vorgestellt bekommen haben – nicht den besten Freund. Ergeben Zeitsprünge und Rückblenden Sinn? Sind die Szenen vorher und nachher so aufgebaut, sodass der Leser sich wieder schnell in der Gegenwart zurechtfindet?

  • Erzählsituation

    Verdeutlich dem Leser gleich am Anfang, mit welchen Perspektiven ihr arbeitet. Wenn ihr einen Bruch habt, vergleicht es mit einem anderen Buch. Wie fändet ihr es, wenn dieser Autor z. B. ebenfalls nach 15 Kapiteln Protagonistenperspektive in den Deuteragonisten wechselt? Überlegt, wie ihr es als Leser empfindet und was dieser Autor gut oder schlecht umgesetzt hat.

  • Spannungsbogen

    Wie verläuft der Gesamtplot? Wie ist der Spannungsbogen der einzelnen Szenen und Kapitel? Reißt ein Nebenplot oder Cliffhanger aus der Geschichte oder sorgt er für mehr Spannung? Wird ein Subplot benutzt, um Spannung zu erhöhen, oder dreht sich die Geschichte zu sehr um den Subplot, sodass es zu kompliziert wird und den Hauptplot verdeckt? Werden alle Fäden zu Ende geführt, alle aufgeworfenen Fragen beantwortet? Haben alle Figuren einen sinnvollen Auf- und Abgang?

  • Logik

    Folgt die eine Handlung oder Szene als Konsequenz aus der anderen? Wenn nicht, was bietet ihr dem Leser in der neuen Szene an, sodass er gewillt ist, weiterzulesen? Wie reagieren die Figuren auf Geschehnisse? Nimmt es sie emotional nicht mit, obwohl es natürlich wäre? Wechsele ihr Befinden zu schnell, sodass die Figur sprunghaft erscheint? Eine Atmosphäre muss sich aufbauen. Wechselt die Stimmung zu schlagartig? Wenn ja, ergibt das Sinn?

Um diese Punkte zu prüfen, braucht ihr keine Linien und Szenenlisten, aber meine Erfahrung nach, hat man mit strukturierten Methoden eine bessere Übersicht. Wann ihr Szenenlisten schreibt (vor, nach, während des Schreibens) und sie überprüft, hängt von eurer eigenen Schreibroutine ab.

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