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Lass uns „kuscheln“!

§ 94 Mit Anführungszeichen kann man Wörter oder Teile innerhalb eines Textes hervorheben und in bestimmten Fällen deutlich machen, dass man zu ihrer Verwendung Stellung nimmt, sich auf sie bezieht.

Anführungsstriche werden im wissenschaftlichen Bereich für Zitate und bibliografische Angaben verwendet. Da wir aber Romane schreiben, brauchen wir das nicht.

Ich gehe mal kurz runter zu Aldi.
Der Name Aldi steht für Albrecht Diskont.
Anführungszeichen benötigen wir nur, wenn es zu Missverständnissen führen kann oder betont werden soll, dass in der Metaebene über einen Begriff geredet wird. In den folgenden Beispielen ist es nicht eindeutig, ob es sich um eine Zeitschrift, ein Café oder um einen Körperteil handelt. Doch da der Sinn durch den Kontext deutlich wird, und wohl kein Leser Goethe mit einem UFC-Teilnehmer verwechselt, ist es auch hier nicht notwendig, Anführungszeichen zu benutzen.

Er sah den Spiegel auf dem Couchtisch.
Er sah den „Spiegel“ auf dem Couchtisch.
Wir gehen nachher ins Bücherregal.
Wir gehen nachher ins „Bücherregal“.
„Goethes Faust“ hat mir sehr gut gefallen.
Goethes Faust hat mir sehr gut gefallen.

Und was ist der Unterschied zwischen Anführungszeichen und Kursivierung?

Wenn man in der Metaebene sich auf ein Wort bezieht, darf man eines von beiden benutzen, wobei in der Belletristik Anführungszeichen und in wissenschaftlichen Texten die Kursivierung benutzt wird. Anführungszeichen wirken ironisch, mit der Kursivschreibung betont man ein Wort.

Und was geht gar nicht?

Falsch gesetzte Anführungszeichen.

Es ist, als wäre der Strichbedarf des Schreiberlings nicht gedeckt, weil er sich bereits zurückhalten muss, keine unsinnigen Apostrophe zu setzen. Mir geht es hier nicht um die Striche bei direkten Rede, sondern um die wahllose Markierung von Wörtern, wenn der Autor sich von der Aussage seines Textes distanzieren will, wahrscheinlich weil er sich nicht traut, zu seinem Text zu stehen.

Seit dreißig Minuten wartete Lina unter dem knorrigen Birnbaum. Die Sonne schien durch das Blätterdach und „malte“ förmlich ein scheckiges Muster auf den Kiesboden. Die Idylle konnte den „Feuersturm“ in Linas Innerem nicht bändigen. Sie „kochte“ vor Wut.
Endlich kam Daniel „angehechelt“. Lina sah auf und strafte ihn mit einem Blick, der so „giftig wie Batrachotoxin“ war.

Durch Anführungszeichen werden die Wörter betont und unnatürlich herausgestellt. Der Autor reibt dem Leser unter die Nase: „Schaut her! Das hier ist eine Metapher. Und diese Redewendung hier gibt es eigentlich nicht, ich habe es neu zusammengesetzt!“ Er betont extra die Pointe und erläutert den Witz. Der Sinn des rhetorischen Mittels geht verloren. Es klingt so, als würde der Autor nicht zu seinen Worten stehen. Noch schlimmer: Es klingt ironisch.

kuscheln

Merke: Keine Anführungszeichen, um beliebige Wörter „betonen“ (← falsch). Und auch nicht, um ein „Neologismus“ (← falsch) oder eine „Metapher“ (← falsch) zu markieren. Eure Leser erkennen, welches Wort betont werden muss. Sie erkennen Metaphern. Sie erkennen ebenfalls, wenn der Autor kreativ ist und neue Wörter und Wendungen erfindet. Vertraut ihnen.

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