Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Kreativität im Urlaub – Wenn die Fantasie einen überrollt

Sommer, Sonne, Strand … und endlich Freizeit.

Nachdem ich mich Anfang des Jahres mit vollem Elan in die Berufswelt gestürzt habe, ist die Zeit, in der ich mich auf mich und meine Hobbys konzentrieren konnte, im Vergleich zu meinem Studentendasein deutlich zusammengeschrumpft. Und so mussten sich meine Heldinnen eine ganze Weile in Geduld üben, bis sie wieder gegen Dämonen kämpfen, Intrigen durchschauen und die Liebe ihres Lebens suchen gehen konnten.

Umso größer war meine Motivation, als ich mich endlich mit gepackten Koffern (und sicher im Handgepäck verstautem Laptop) auf den Weg zum Flughafen machte und mir ausmalte, wie ich mit einem alkoholfreien Cocktail am Pool liegen und mein Notizbuch mit all den Texten füllen würde, die ich schon längst hatte schreiben wollen.

Tja, Pustekuchen, denn offenbar haben sich meine Heldinnen hinter meinem Rücken gegen mich verschworen. Kaum liege ich gemütlich auf meinem Handtuch, kommen sie nacheinander aus ihren Verstecken gekrochen und bombardieren mich mit all den Szenen und Ideen, die sie offenbar im letzten halben Jahr irgendwo in einer dunklen Ecke meines Unterbewusstseins angehäuft haben.

Struktur, Ordnung? Fehlanzeige.

Die ersten Tage über war ich tatsächlich ziemlich frustriert – es ist gar nicht so einfach, eine viktorianische Liebesgeschichte zu schreiben, wenn sich immer wieder dunkle Schattenwesen, nordische Märchenprinzen und durchgeknallte Superwissenschaftler in die Gedanken schleichen. Dass ich eigentlich eine Deadline einhalten wollte und dafür dringend noch ein paar Seiten brauchte, interessierte die Mädels so überhaupt nicht.

Es war eindeutig Zeit für einen Strategiewechsel.

Und so sitze ich nun vor meinem Notizbuch (den Cocktail habe ich bisher noch nicht auftreiben können) und höre mir brav an, was meine Figuren zu sagen haben – egal wie verrückt es klingt und wie durcheinander die Ideen sind, die sie mir vor die Füße werfen.

Ein wenig erinnert es mich an eine Gruppentherapiesitzung – alle meine Figuren in einem Kreis aus Klappstühlen und ich mittendrin. Die anonymen vernachlässigten Hauptfiguren vielleicht.

„Hallo, ich heiße Marie und ich habe ein Problem.“

„Hallo, Marie.“

Es mag zwar völlig unkoordiniert und vielleicht auch nicht besonders zielführend sein, aber hey, ich habe Urlaub und es macht verdammt viel Spaß. Und warum sollten nicht auch mal meine Figuren aus dem engen Konstrukt ihrer Geschichte ausbrechen dürfen?

Sortieren kann ich später noch genug. Und vielleicht kann ich mir ja ein wenig von diesem verrückten Vulkan aus Kreativität und Fantasie bewahren, wenn ich wieder zuhause an meinem Schreibtisch sitze und an meinen Werken feile – dann wieder mit Ordnung und klarer Struktur.

Aber bis dahin genieße ich die freie Zeit … und hoffe darauf, dass doch nochmal jemand mit einem Cocktail um die Ecke kommt.