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Und plötzlich ist da dieser Leistungsdruck …

Bei mir läuft gerade überhaupt nichts, Ebbe im Wörtermeer, die Tinte ist ausgetrocknet. Dabei ist es gar nicht so, dass ich die Lust am Erzählen verloren habe. Meine Figuren tanzen weiter munter durch meinen Kopf, werfen mir Augenblicke aus ihrem Leben vor die Füße und schauen mich dann vorwurfsvoll an, wenn ich sie nicht zu Papier bringe.

Doch genau das ist das Problem – ich setze mich vor den Computer, will ein Dokument öffnen … und schon schaltet mein Kopf auf „innerer Kritiker“.

Heute musst du mal was schaffen, ansonsten wird das nie was mit dem Roman. Hast du wirklich schon genug geplottet oder musst du das eh nochmal umstellen? Und solltest du nicht lieber an etwas schreiben, was einen Verlag wirklich interessiert?

Irgendwann schließe ich frustriert das Dokument und wende mich einer Netflix-Serie zu, da kann ich den Kritiker in mir nicht hören. Geschrieben habe ich nichts – mal wieder.

Wo ist die Leichtigkeit hin?

Dabei war es früher doch ganz einfach: eine Idee, der Kuli und ein Blatt Papier, mehr brauchte ich nicht, um stundenlang abzutauchen und mir zusammen mit meinen Figuren die Nächte um die Ohren zu schlagen.

Wo ist die Zeit hin, in der ich in einer Nacht ganze Kapitel schreiben konnte? Die Zeit, in der ich beim NaNo statt „Wie soll ich das schaffen?“ nur an „Wie viel schaffe ich zusätzlich?“ gedacht habe.

Nein, ich habe nicht verlernt, mit Wörtern umzugehen. Und ich weigere mich, auf die bösen Zungen zu hören, die einem sagen, dass man das Schreiben lassen soll, wenn man nicht dauernd „on fire“ ist – das ist Blödsinn, jeder hat mal eine schlechte Phase.

Was mir wirklich zu schaffen macht, ist dieser permanente Leistungsdruck. Früher habe ich geschrieben, weil ich Zeit mit meinen Figuren verbringen wollte. Heute schleichen sich andere Dinge in meinen Kopf: Kontakte, Verlagsverträge, Veröffentlichung.

Nicht jeder ist Berufsautor.

Klar, die einen werden sagen: Wenn du das nicht aushältst, dann hast du in der Buchbranche nichts verloren. Wer ein professioneller Autor werden will, muss das aushalten, das bringt der Job so mit sich. Und das stimmt auch. Wenn man das denn werden will.

Aber muss es denn immer gleich das Extrem sein? Gibt es keinen Spielraum zwischen Hinschmeißen und Vollprofi sein?

Das ganze Leben ist auf Leistung getrimmt. Alles, was man macht, wird beurteilt und auf seinen Sinn überprüft – im Beruf, im Alltag, überall. Die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich von meinem Bogenschieß-Hobby erzähle, lautet: „Schießt ihr dann auch richtige Wettbewerbe?“

Nein, ich mache das, weil es mir Spaß macht, weil ich abschalten kann. Und genau das wünsche ich mir auch vom Schreiben. Denn ganz ehrlich – Stress und Druck habe ich im Job genug, dieses Gift muss ich nicht auch noch in die Freizeit tragen.

Diejenigen, die das Schreiben bereits zum Beruf gemacht haben oder hart für ihre Autorenkarriere arbeiten, mögen meine Meinung belächeln – und vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren auch wieder so.

Für den Moment jedoch bleibe ich dabei – ich lasse mich nicht wahnsinnig machen. Ich will meine Figuren auf ihrem Weg begleiten, mit ihnen leiden, kämpfen und jubeln. Ich will mich von ihrer Geschichte in den Bann ziehen lassen und nicht mehr auftauchen wollen. Ich will wieder Spaß haben. Denn das ist es doch, was uns alle vereint: der Spaß daran, Figuren zu erschaffen und ihre Geschichten zu erzählen.