Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Hautfarben-Guide: Kreative Vergleiche

Dieser Beitrag ist eine Übersetzung von Description Guide – Skin Color Part II: Word for Skin Tone (2014 )aus einer Artikelreihe von Writing with Color. In diesem dritten Teil des Guides werden kreative Vergleiche für Hautfarben vorgeschlagen.

Da der Beitrag von Writing with Color aus dem englischsprachigen Raum stammt und die vorgeschlagenen Begriffe in der wörtlichen Übersetzung nicht auf gleiche Weise für die deutsche Sprache funktioniert, ist dieser Blogbeitrag eine Mischung auf dem übersetzten Text und meinen Anmerkungen.

Egal ob die Hautfarbe mit einem nächtlichen Fluss oder mit dem ersten Sonnenstrahl des Tages verglichen wird – ich [Colette] freue mich, wenn Romanfiguren of Color solche kunstvolle Beschreibung bekommen. Denn während weiße Figuren glatte, rosa-angehauchte elfenbeinfarbene Haut bekommen (von solchen Ausdrucksweisen findet man es so viele!), findet man PoC in einer Schüssel mit Süßigkeiten oder als Starbucks-Getränk wieder – falls es in dem Roman überhaupt PoC gibt. Dabei kann es ein echter Genuss sein (Wortwitz!), bei PoC aufwendige, detaillierte Beschreibungen zu finden.

Passt trotzdem auf, wenn ihr kreativ werdet. Wenn ihr es mit blumiger Sprache übertreibt, kann euer Schreibstil ziemlich schwülstig wirken – wie Purple Prose eben ist. Außerdem benötigt nicht jede Romanfigur (oder Szene) eine kreative Vergleiche, vor allem, wenn es sich bei den beschriebenen Personen nicht mal um Nebenfiguren handelt. Ihr könnt aber die kreativen Beschreibungen mit den Basisfarben aus Teil II kombinieren. Aber wie gesagt, schreibt es so, wie es am besten zu euch, eurem Schreibstil und euer Geschichte passt.

Landschaft/Vegetation

Sonnenaufgang | Herbstwald | Wüste
Erde| Kliff | Getreidefeld
  • Nacht, Dämmerung, Herbstmond
  • Sonnenaufgang, Sonnenlicht, Sonnenuntergang, Morgenröte, Abendröte,
  • Wälder, Blätter, Laub
  • Wüste, Sand, Erde, Lehm
  • Prärie, Felder, Heu, Stroh, Weizen
  • Berge, Kliff

Bevor ihr jetzt losrennt und einen Herbstmond oder Klippenvergleich für die Hautfarbe euer Protagonistin kreiert, achtet auch darauf, welche Assoziationen die Wörter jeweiligen hervorrufen. Wenn ich an »Klippe« denke, habe ich ein etwas Zerklüftetes, Gefährliches, Raues vor Augen. »Sand« hingegen erweckt bei mir das Bild von etwas Körnigem, aber Glattem und Geschmeidigem. Es ist ruhig und sanft.

Bedenkt bei der Wahl der Wörter, welche Assoziationen sie hervorrufen, aber auch die Charaktereigenschaften der Romanfigur. Und bedenkt auch, aus welcher Perspektive ihr schreibt. Wenn ihr aus der Sicht einer Figur schreibt, die die zu beschreibende Person schätzt und/oder respektiert, benutzt sie wahrscheinlich freundlichere, erhabenere Worte, als wenn sie jemanden beschreibt, den*die sie nicht ausstehen kann.

Kreative Vergleiche sind vor allem eine gute Ergänzung zu Basisfarben.

»Ihr Gesicht war wie das feurig goldene Glühen der Morgendämmerung, der Anblick zog mich an.«

»Ihre Haut erinnerte an Wüstensand. Seiden und Ocker.«

Anmerkung von Vickie

Diese kreativen Beschreibungen erzeugen Atmosphäre, sie liefern jedoch kein klares Bild davon, welche Hautfarbe eure Figur hat. Zum Beispiel reicht »Herbstlaub« von strahlendem Gelb-Orange, über sattes Rot bis zu matten Brauntönen. Wenn es euch darum geht, den Hautton zu benennen, könnt ihr auch einfach eine Basisfarbe benutzen. Wenn ihr nicht auf die Atmosphäre und schöne Worte verzichten, aber eure Leser*innen auch nicht raten lassen wollt, um welchen Farbton es sich genau handelt, kombiniert die kreativen Vergleiche mit den Basisfarben.

Vergleiche mit Landschaften oder Szenerien empfinden erfahrungsgemäß die meisten People of Color als angenehm – im Gegensatz zu Vergleichen mit Nahrungsmitteln und Objekten. Bei Objekten aus der Natur kommt es auf die Assoziation an. Man möchte nicht mit einem Objekt verglichen und darauf reduziert werden, wenn man ohnehin schon mit den Klischees und Vorurteilen zu kämpfen hat.

Welche Länder sind für Wüstenlandschaften bekannt? Meint ihr nicht, dass die Menschen, die dort leben, einen kreativeren Vergleich verdient haben als einen mit Wüstensand oder Kies. 😉

 

Metall

Platin | Kupfer | Messing | Bronze | Gold

Kupferfarbene Haut, messingfarbene Haut, goldene Haut … Es gibt alle möglichen Variationen mit Metallen. Ich hab sogar schon einmal von Vergleichen mit Objekten gelesen, die aus genannten Metallen bestehen oder die gleiche Farbe haben: Also »Pfennig« statt »Kupfer«. Übrigens kann man Metalle ebenfalls gut als Modifikatoren benutzen, wie im ersten Teil unter »Modifikatoren« beschrieben wurde.

»Das Kleid aus feiner weißer Seide hob sich gegen ihre tiefbronzene Haut ab.«

Anmerkung von Vickie

Metalle werden so häufig als Farbnamen benutzt, dass sie als solche stehen gelassen werden können. Von meiner Seite aus ein dickes »Go for it«. Nur bei Vergleichen mit Objekten aus Metall rate ich, etwas vorsichtiger zu sein. Bronzene Haut klingt in meinen Ohren schmeichelnd, »Die Haut erinnert an Uromas Kochtöpfe« könnte unter Umständen jedoch seltsam wirken.

 

Holz

Ebenholz | Mahagoni | Nussbaum
Kastanie | Kirschbaum | Esche

Holz ist ein bisschen umstritten für Hautfarben. Nicht nur, weil einige Begriffe nach Nahrungsmittel klingen (Walnuss, Kirsch), sondern auch weil Hölzer negative Assoziation hervorrufen können. Deshalb benutzen manche in ihren Romanen weder Holz zum Vergleich von Hautfarben, noch wollen sie solche Vergleiche lesen. Falls ihr Holzvergleiche benutzen wollt, holt euch verschiedene Meinungen ein, lest euch euren eigenen Text kritisch und stellt sicher, dass es zu der Figur passt und es angemessen ist.

»Die Haut des alten Hexenmeisters hatte einen tieferen Mahagoni-Ton, sein Blick war ernst und fest, während er mich anstarrte.«

Anmerkung von Vickie

Bei einer Diskussion mit verschiedenen deutschen People of Color haben wir festgestellt, dass Holzvergleiche besonders für Menschen mit westasiatischer Herkunft unangenehm zu lesen sind, da sie an die üblichen Klischees vom exotischen Orient erinnern. Zudem sollte man auch nicht vergessen, dass Exporthölzer wie Mahagoni oder Teak einen kolonialistischen Hintergrund haben; und BI_PoC mit den Produktion zu vergleichen, für die sie ausgebeutet werden, ist nicht besonders sensibel.

In englischsprachigen Texten von Schwarzen Autor*innen findet man hingegen häufiger Vergleiche mit Holz – wie zum Beispiel »ebony« oder »mahogany«. Aber: Was auf Englisch funktioniert, muss nicht für den deutschen Sprachraum gelten – zum Beispiel klingt »ebony« positiver als das deutsche »Ebenholz«. Aber 2: Es macht einen Unterschied, ob Own-Voice-Autor*innen eine Beschreibung für sich selbst benutzen oder ob es Außenstehende tun.

Wenn ihr diese Wörter benutzt, holt euch am besten verschiedene Meinungen ein.

 

Blumen

Calla | Sonnenhut | Orchidee
Hibiskus | Freesia | Rose

Es war ein bisschen schwierig, Blumen zu finden, die meinem Geschmack entsprechen und nicht 20 Buchstaben haben und »Schokoladenseide« heißen.

Wenn ihr Blumennamen benutzt, passt auf jeden Fall auf, dass euer Text nicht zu schwülstig wird. Seid euch auch bewusst, dass die meisten euer Leser*innen wahrscheinlich noch nicht von den Blumen gehört haben. Bei »Rosen« hat jede*r ein Bild vor Augen, aber wie sieht es mit westlichen Sonnenhüten aus? Oder mit Callas? Die meisten wissen wahrscheinlich nicht, wie sie aussehen und welche Farben sie haben.

»Verärgert trat er in die Hütte; seine Wangen rotbraun wie die Blumen, die Nana direkt vor meinem Fenster gepflanzt hatte. Hazel Fay hatte sie sie genannt, oder?«

Anmerkung von Vickie

Die Blütenfarbe auch den obigen Bildern ist jedes Mal die gleiche? Gut beobachtet!

Bei dem Bild im Originaltext handelt es sich um eine schwarze Calla, einen schwarzbraunen Sonnenhut, eine rotbraune Orchidee, einen orangefarbenen Hibiskus, eine gelbliche Freesie und eine hellrosa Rose. KLICK. Ich habe mich aber für Blütenfarben in Alt-Rosé entschieden, um zu zeigen, dass bereits eine einzige Blumenart verschiedenfarbige Blüten haben kann. Daher ist es nicht aussagekräftig, wenn man nur den Blumennamen nennt. Calla-Lilien kennt man zwar meist mit weißen Blüten, aber es gibt sie von Hellgelb über Rosarot bis zu einer violett-braunen Farbe. Man müsste also hinzufügen, um welche der verschiedenen Calla-Arten es sich handelt. Und da ist es doch einfacher, den simplen Farbnamen zu nennen.

Natürlich kann man die Blumennamen mit Basisfarben kombinieren, wenn man die nicht auf Blumenvergleiche verzichten will. Dennoch gibt es ein stilistisches Problem. Die Pflanzennamen klingen nicht so poetisch sind wie im Englischen.

Sucht man nach Blumen, die man zur Beschreibung von Hautfarben benutzen kann, findet man Folgendes:

  1. Botanische Namen, die kein Schweinchen kennt
  2. Unglaublich unattraktive Namen
  3. Zusammensetzungen mit Basisfarben

Hier die Ergebnisse meiner Recherche, als ich nach Blumen gesucht habe, die sowohl hübsch aussehen, als auch dunkelbraune Blüten haben:

  1. Brasiliorchis schunkeana, Rudbeckia occidentalis, Cymbidium tracyanum, Clematis viticella
  2. Fliegen-Ragwurz, Rosettendickblatt, Storchschnabel, Schwertlilie Demon
  3. Black Parrot, Black Baccara, Black Hero, Black Prince, Black Star, Schwarze Rose, Schwarze Calla, Braune Orchidee

Man kann es zwar machen, aber ich persönlich finde es schreibhandwerklich unnötig, Vergleiche zu benutzen, wenn man den Vergleich erklären muss. Wieso »sie hatte eine Haut wie eine braune Orchidee« schreiben, wenn auch »sie hatte braune Haut« geht?

Und was Fliegen-Ragwurz angeht … Wenn ihre eure Figuren so sehr hasst, fühlt euch frei, diese Namen zu benutzen.

Aber!

Jetzt kommen wir zu dem Problem, das Blumenvergleiche mit sich bringen: Ost- und Südostasiatinnen werden gern mit Blumen verglichen. Das klingt zwar nett, aber dahinter stecken rassistische Stereotype. Ostasiatische aussehende Frauen werden hypersexualisiert, gelten als unterwürfig, passiv und dienen dem weißen Mann. Das wird mit dem Bild der Blume symbolisiert.

Blumen wie Lotos, Orchideen und sonstiges exotisches Gewächs dient in dieser Hinsicht als Sexualisierung und Fetischisierung. Orchideen sehen ja auch aus wie Vulven. Und dass Pflücken was mit Entjungferung zu tun hat, wusste schon Goethe … die Tröte.

Mehr findet ihr unter dem Stichwort »Lotos Blossom«. [Zum Beispiel bei Nhi Les Kolumne.]

Wenn ihr Blumenvergleiche benutzt, achtet also darauf, dass ihr sie nicht im sexualisierenden Kontext benutzt und rassistische Klischees reproduziert. Und wie immer gilt: Wenn man als Own Voice solche Vergleiche als Selbstbeschreibung benutzt, ist es okay (siehe auch »Holz« und »Gewürze«). Aber als außenstehende*r Autor*in würde ich sehr vorsichtig sein.

 

Gesteine, Mineralien

Onyx | Obsidian | Sarder | Topas | Karneol | Rauchquarz | Rutil | Pyrit | Citrin | Mondstein

Gesteine und Mineralien sind ein bisschen schwieriger zu benutzen, da auch hier die Farben komplexer sind und man als Autor*in definieren muss, um welche Art Mineral es sich handelt, damit die Leser*innen den Vergleich verstehen. Wenn ihr diese oder auch jede andere ungewöhnliche Beschreibung benutzt, überlegt euch, ob die Ausdrucksweise wirklich zu eurer Geschichte, der Szene oder zur Perspektive passt.

Selbst wenn ihr es schafft, ein Bild zu erzeugen, sodass auch jede*r versteht, wie Rutil aussieht, warum benutzt ihr genau diesen Vergleich anstatt einen anderen? (Diese Frage müsst ihr euch selbst beantworten.)

»Ihre Haut erinnert sie an den im Ring eingefassten Topas, den ihr Vater an seinem Finger getragen hatte. Ein glänzender brauner Stein mit sanften Facetten.«

Anmerkung von Vickie

Was ich eben zu Blumen geschrieben habe, gilt genauso für Mineralien. Obsidian kennt mal als schwarzes Gestein, aber sie gibt es auch in Dunkelgrün oder in rötlicher Farbe. Im Originaltext wurde für Topas das Bild von einem orange-braunen Steinchen genommen; meines Wissens nach ist Topas eher als blauer Stein bekannt … was eigentlich egal ist, weil es ihn in durchsichtig, gelb, grün, blau, violett, rot bis braun gibt.

Und ehrlich, ich habe keine Ahnung, was Sarder oder Rutil ist. Falls ihr diese Begriffe benutzen wollt, stellt sicher, dass die Perspektivfigur Geowissenschaftler*in ist oder auf Edelsteinheilkunde steht.

 

Verschiedenes aus der Natur

Schilfrohr | Muscheln | Treibholz
Kienäpfel | Eicheln | Bernstein

Ich habe bis auf Bernstein noch nie einen Vergleich mit diesen Dingen gelesen habe, und es wirkt ein bisschen seltsam, Kienäpfel oder Schilfrohr für Vergleiche zu benutzen. Aber zumindest sind diese Begriffe – im Gegensatz zu den Blumen und Mineralien – bekannt, und die Leser*innen haben eine Vorstellung. Lest euch den Text mit dem Vergleich laut vor und schaut einfach, wie es sich für euch anfühlt.

»Ihr goldbraunes Haar hinter die Ohren gestrichen umschmeichelten sie ein Gesicht, das von der Form und der Farbe her wie eine Eichel war.«

Ich stelle mir dabei ein baumbewohnendes Wesen oder eine Person aus einer Fantasywelt vor, wodurch der Vergleich ein bisschen runder klingt.

Meine Vorschläge sollen nicht dazu dienen, dass ihr sie wahllos in eure Texte hineinschreibt. Benutzt sie sorgsam und sensibel; macht euch Gedanken, ob diese Vergleiche zu euer Figur und eurem Setting passen könnte.

 

Abschlussworte

Ich habe versucht, die Vorschläge, wie man Hautfarben beschreiben kann, so umfangreich wie möglich zu halten. Wenn es euch zu umfangreich war und ihr nicht wisst, wo ihr anfangen sollt, nehmt einfach die Basisfarben – da kann man kaum etwas falsch machen. Die simplen Farbnamen werden tatsächlich von den meisten Leuten bevorzugt und sie eignen sich auch am besten fürs Schreiben. Ich persönlich bevorzuge die Kombination aus Basisfarben und Modifikatoren – wie in Teil I beschrieben – und erwähne ab und an auch die Untertöne. Bei bestimmten Anlässen benutze ich auch mal einen kreativen Vergleich.

Wie schon mehrmals erwähnt, beschreibt die Hautfarbe oder generell die Merkmale einer Romanfigur of Color auf dieselbe Weise die einer weißen Figur. Wenn ihr das nicht tut, impliziert ihr damit, dass Weiß der Standard ist, weshalb die »anderen« extra erwähnt werden müssen. Zeigt zudem die Ethnie bzw. Andeutungen einer ethnischen Zugehörigkeit gleich bei der ersten Gelegenheit. Im weiteren Verlauf des Schreibens könnt ihr immer mehr Beschreibungen einfließen lassen.

Neben der Hautfarbe gibt es noch mehr Indikatoren, um die Ethnie einer Person anzudeuten. Zudem sagt die Hautfarbe allein nicht unbedingt aus, welche Herkunft eine Person hat. Zeigt daher auch Haare, Augen, Nasen, Münder, Hände, Körperhaltung, Körperform, die Textur der Haut … wobei ihr natürlich nicht alles davon auf einmal erwähnen braucht. Und während ihr die optischen Merkmale beschreibt, könnt ihr auch Andeutung einweben, die auf die Ethnie hinweisen – wie zum Beispiel Afrohaare. Wie ausführlich ihr eure Figuren beschreibt, bleibt euch überlassen. Ich selbst würde es nicht übertreiben und von jedem Leberfleck erzählen – aber charakteristische Merkmale wie eine Lücke zwischen den Schneidezähnen, ins Gesicht springende Locke oder sommersprossige Hände sind immer gut.

Und ganz wichtig: Benutzt nicht das Wort »farbig«. Wir haben einige Nachrichten mit der Frage bekommen, ob man dieses Wort benutzen könne. Ich würde sagen: Solange eure Romanfigur keine rassistische Oma aus den 60ern ist, vermeidet es, Schwarze oder People of Color als »farbig« zu bezeichnen.

— Colette

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.