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Hautfarben-Guide: Farbnamen

Dieser Beitrag ist eine Übersetzung von Description Guide – Skin Color Part II: Word for Skin Tone aus einer Artikelreihe von Writing with Color. In diesem zweiten Teil des Guides werden konkrete Wörter für Hautfarben vorgeschlagen.

Da der Beitrag von Writing with Color aus dem englischsprachigen Raum stammt und die vorgeschlagenen Begriffe in der wörtlichen Übersetzung nicht auf gleiche Weise für die deutsche Sprache funktioniert, ist dieser Blogbeitrag eine Mischung auf dem übersetzten Text und meinen Anmerkungen.

Nachdem wir in Hautfarben-Guide: Nahrungsmittelvergleiche besprochen haben, dass Nahrungsmittel nicht für Vergleiche geeignet sind, fragten viele von euch, wie man ansonsten Hautfarben beschreiben kann. Und genau darauf wollte ich [Colette] gerade zu sprechen kommen. Im zweiten Teil von diesem Guide stelle ich Wörter vor, mit denen man die Hautfarbe benennen kann, wobei ich versuche, es mit Bild- und Satzbeispielen zu verdeutlichen.

Lasst uns anfangen!

Die Basisfarben

Schwarz, braun, beige, weiß, rosa.

Schwarz | Braun | Beige | Weiß | Rosa

»Sie hatte braune Haut.«

Diese Ausdrucksweise ist absolut perfekt. Ein simples Braun oder Beige beschreibt die Hautfarbe der Romanfigur ausreichend. Die Farben stehen für sich allein und funktionieren, auch ohne dass man ins Detail gehen muss – und vor allem sind sie garantiert klischeefrei.

Anmerkung von Vickie

Im Deutschen haben wir das Problem, dass die tatsächliche Hautfarbe selten benannt wird. Während »Schwarz« und »Weiß«, aber auch »Braun« als Begriffe sozialer Konstrukte nicht ungewöhnlich sind, sorgen »beige« oder »rosa« als Hautfarbe für Verwirrung oder Belustigung:

Rosa sind Babys, Prinzessinnen und Schweine!

Beige sind kranke Leute, Kleidung oder Cappuccino!

Dabei sind es wirklich diese beiden Farben in Kombination und verschiedenen Variationen, wenn man sich die Haut von hellhäutigen Menschen ansieht. Oder fällt euch ein besseres Wort ein?

Dahingegen ist »braun«, also die Hautfarbe von Schwarzen Menschen, ist völlig okay. Eben weil man gewohnt ist, das zu benennen, was nicht die Norm ist. Aber da sich Geschmäcker und Sprache ändern, je nachdem wie wir unsere Wörter gebrauchen, kann es vielleicht noch dazu kommen, dass wir rosa und beige irgendwann als Hautfarbenbezeichnung akzeptieren. Und es ist eigentlich doch gar nicht so schlecht, Weiße benennen zu können.

 

Komplexe Farbbezeichnungen

Hautfarben

Umbra | Sepia | Ocker | Siena | Terrakotta

Gold | Loh | Taupe | Khaki | Chamois*

Nähere Erläuterung der Farben
  • Umbra. Dunkles gelbliches Braun.
  • Sepia. Rötliches Braun. Im deutschen jedoch auch das Grauschwarz von Tintenfischen.
  • Ocker. Heller bräunlicher Gelbton bis zu einem gelb-orangefarbenen Braunton.
  • Siena. Gelbbraun bis Rotbraun.
  • Terrakotta. Bräunliches Orange bis Rotbraun.
  • Gold. Tiefes glänzendes Gelbbraun.
  • Loh(farben). Gelb- oder Orangebraun. Die Farbe von gegerbtem Leder. Wird für Fellfarben benutzt.
  • Taupe. Graubraun. Die Farbe vom Maulwurfsfell. (‘taupe’ oder ‘talpa’ = Maulwurf)
  • Khaki. Dumpfes Gelbbraun, oft mit Grünstich.
  • Chamois. Helles Gelbbraun. Die Farbe von Sämischleder. Ähnlich wie die Fellfarbe Falb(farben), Champagne, Isabell(farben) oder helles Loh.
    Im Originaltext steht an dieser stelle ‘fawn’, also rehfarben, was aber nicht mit »rehbraun« verwechselt werden darf. Auch wenn ein paar Wörterbüchern »rehbraun« vorschlagen, ist es ein deutliches Braun. »Rehfarben« ist ein helle Braungelb.

Dies sind eher selten benutzte Wörter. Einige sind reine Farbbezeichnungen, andere haben noch eine weitere Bedeutung. Vielleicht willst du sie nachschlagen, ob herauszufinden, welche Assoziationen sie erwecken können. [Anmerkung: Oder den Spoiler aufklappen. 😉]

Diese komplexen Farbbezeichnungen können für sich allein stehen, aber auch mit den Basisfarben kombiniert werden, um den Farbton genauer zu beschreiben. Da die Wörter jedoch eher ungebräuchlich sind, kannst du sie in einem Nebensatz zu erläutern, damit sie Leser*innen ein Bild vor Augen haben, ohne dass sie den Begriff im Wörterbuch nachschlagen müssen.

»Er war groß und schlank, und seine Haut war wie Terrakotta, rötlich braun.«

»Seine Haut hatte einen Ocker-Ton, sanft braun, wie wenn der Wald von Licht durchflutet wurde.«

Anmerkung von Vickie

Auch wenn diese Farben im Fantasy-Setting (von euch) akzeptiert werden, rufen sie eher Verwirrung hervor, da diese Begriffe für Gegenstände wie Kleidung, Blumentöpfe, Dachziegel oder als Bezeichnung für Tierfelle benutzt werden. Und wie ihr schon im Hautfarben-Guide I lesen konntet, sollte es vermieden werden, BI_PoC mit Gegenständen, Tieren oder Nahrung zu vergleichen. Deshalb empfehle ich, auch auf den Kontext zu achten, wenn ihr diese Farben benutzt.

Bei den obigen beiden Beispielen funktionieren die Sätze auch ganz gut ohne die Farbbezeichnung, weil es die Vergleiche sind, die eine Assoziation hervorrufen. »Er war groß und schlank. Seine Haut war rötlich braun.« – »Seine Haut hatte ein sanftes Braun, wie wenn der Wald von Licht durchflutet wurde.«

 

Modifikatoren

Modifikatoren definieren ein Wort genauer. Sie sind meist Adjektive und können benutzt werden, um Hautfarben konkreter zu benennen.

d u n k e l – t i e f – s a t t – k ü h l

w a r m – m i t t e l – g e b r ä u n t

h e l l – z a r t – b l a s s

Zum Beispiel: Sattes Schwarz, dunkles Braun, warmes Beige, blasses Rosa …

Diese genannten Modifikatoren funktionieren am besten in Kombination mit Farben, können aber auch für sich allein stehen, wie zum Beispiel gebräunt, blass oder hell – wobei »gebräunt« häufiger für hellhäutige Menschen benutzt wird. Wenn ich viel Sonne abbekomme, also gebräunt bin, hat meine Haut einen dunklen, satten Braunton. Wenn ich im Winter blass werde, habe ich eher eine gelbbraune Hautfarbe.

Bitte beachte, dass »dunkel« als allein stehender Begriff angreifend und verletzend sein kann, aber vor allem uneindeutig ist. Meiner Erfahrung nach bezeichnen viele weiße Leute Halle Berry als dunkel, während sie für mich und für die meisten Schwarzen Menschen light-skinned [hellhäutig] ist. Weil jede Person eine eigene Definition von »dunkel« hat, wirft »dunkelhäutig« manchmal mehr Fragen auf, als es beantwortet. Deshalb wäre es von Vorteil, die Farbe konkret zu benennen.

Anmerkung von Vickie

Ich habe die Wörter »deep« und »rich« mit »tief« und »satt« übersetzt (»kräftig« könnte auch passen, aber dann müsste man »schwach« wohl auch benennen). Dadurch geht leider die positive, sogar empowernde Konnotation verloren. Dass die beiden erläuternden Wörter wichtig sind, liegt daran, dass es kaum Produkte für Schwarze und Braune Haut gibt. Die verschiedenen Hauttöne werden nicht unterschieden, sondern zusammengefasst.

Während es zum Beispiel in der dekorativen Kosmetik etliche mit Namen benannte Farbtöne und Schattierungen für weiße Menschen gibt (ich schreibe extra weiß und nicht hellhäutig, weil es für hellhäutige PoC wenig Auswahl gibt), findet man keine oder nur einen Farbton für braune Haut. Die Farbe heißt dann »dunkel«. Oder Kakao und Espresso.

Ashley Woodfolk berichtet in einem Thread auf Twitter darüber:


Make-up.
Gestern, GESTERN, habe ich nach der »besten Foundation für dunkle Haut« gegoogelt, weil nicht alle Marken passendes Make-up für mich anbieten. Wisst ihr, wie entmenschlichend es ist, kaum Produkte für die eigene Haut finden zu können?

Pflaster.
Sie sind beige. Mit war nicht bewusst, weshalb Pflaster diese Farbe haben, damit sie unsichtbar sind, bis ich einer weißen Freundin ein Pflaster gegeben habe, die eine Blase hatte. Sie hat es sich aufgeklebt und das Ding ist verschwunden. White Supremacy euch alle!

»Fleischfarbene« Strumpfhosen. Ich war sechs und im Ballett, als ich zum ersten Mal diesen Begriff gehört habe. Ich brauchte fleischfarbene Strumpfhosen, um am Unterricht teilnehmen zu können. Fleischfarbene Strumpfhosen haben nicht die Farbe meiner Haut. Anzunehmen, dass Weiß die Norm ist, gehört zur White Supremacy.

* * *

Ich habe leider (noch) keine Lösung, wie man »rich« und »deep« ausdrücken kann, und ich finde es schade, dass im Deutschen dadurch etwas verloren geht. Dabei finde ich, dass auch die Romanfiguren es auch verdient haben, sich wohl in ihrer Haut zu finden und selbstbewusst zu sein.

 

Untertöne

Untertöne sind die Farbnuancen oder Schattierungen, die die Hautfarbe genauer bestimmen.

Kühle und Warme Hauttöne

Um ein noch genaueres Bild von der Hautfarbe zu schaffen, eignen sich die Untertöne. Wie man auf dem Bild erkennen kann, gibt es einen Unterschied zwischen brauner Haut mit warmen orangeroten Untertönen (Kelly Rowland) und brauner Haut mit kühlen Untertönen (Rutina Wesley).

»Ihre Wangen leuchteten bronzen, wenn sie lächelte.«

»Seine ockerfarbene Haut hatte immer einen rosafarbenen Hauch, so als wäre er gerade einen Kilometer gelaufen.«

»Farahs hellbraune (‘fawn’) Haut war durch die Sommersonne fleckig und sommersprossig geworden. Selbst nachdem der Herbst ins Land gezogen war, haftete die ungleichmäßige Bräune immer noch wie eine Klette an ihrer Haut, während die Sonne dem seidigen rotbraunen Ocker ihrer Mutter einen satten Ton verliehen hatte.«

Aus meiner Kurzgeschichte »Where Summer Ends« aus der Anthologie Strange Little Girls.

Die Hautfarbe spiegelt auch den Charakter der Figur wider, und so kann man die Mehrdeutigkeit der Farbnamen nutzen, um Assoziationen zu erwecken. »Fawn« ist die Bezeichnung für eine helle gelbbraune Farbe, bedeutet aber auch »Rehkitz«. Ein Kitz ist klein und scheu. Das passt perfekt zu dem Charakter meiner schwer traumatisierten Figur.

Obwohl ich es bevorzuge, nur die Basisfarben für Hauttönen zu benutzen, habe ich keine Berührungsängste mit kreativen Beschreibungen. Machmal habe ich meinen Spaß daran, die Figuren auf poetische Weise zu beschreiben.

 

Dieser Artikel gehört in die Reihe »Hautfarben«. Mehr Beiträge findet ihr hier:

2 Kommentare

  1. Sylph
    Sylph 21. September 2020

    Erstens Danke für den Beitrag. Ich arbeite gerade an einem Fantasy-Werk in einer Welt wo der übliche Hauttyp zwischen einem Mittelmeer/orientalischen Hauttyp bis hin zu einem nord-zentral afrikanischen Hauttyp (wenn das sinn ergibt) schwankt, deswegen suche ich natürlich verzweifelt nach Möglichkeiten klar zu machen, dass meine Charaktere alle die verschiedensten Brauntöne haben, ohne jemanden zu beleidigen/verletzen mit unbedachten Vergleichen.
    In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn der 3. Teil bald noch kommen sollte, damit ich vielleicht noch etwas mehr Inspiration finde wie ich meine verschiedenen Charaktere in meinem Kopf am besten übermittelt bekomme.

    • Victoria Linnea
      Victoria Linnea 23. September 2020

      Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Der nächste Beitrag ist ein bisschen aufwändig, weil für den deutschen Sprachraum einiges nicht übernommen werden kann. Aber ich arbeite daran!

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