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Absätze – der Rhythmus deiner Geschichte

Oft hat man den Eindruck, dass Absätze nur als notwendiges Übel betrachtet werden. Man macht (willkürlich) Zeilenumbrüche, weil keiner einen Endlostext lesen will. Man formatiert Dialoge, weil es der Standard ist.

Dabei geben Absätze den Rhythmus vor und sind – genauso wie Kapitel und Szenen – eine eigene kleine Einheit.

Jeder weiß vermutlich, dass er Kapitel sowie Szene mit einem starken Satz beginnen und möglichst auch enden lassen sollte. Doch auch Absätze haben eine (gewisse) Struktur. Oft beginnen sie mit einer Handlung, und es folgt eine Reaktion.

Somit kann man sich eine Richtlinie ableiten, dass wenn etwas Neues beginnt, ein neuer Absatz kommt. Das gilt vor allem dann, wenn

1) man eine neue Handlung anfängt

Alba blinzelte. Das Licht, es war falsch. Das war kein Sonnenaufgang. Nicht um kurz vor Mitternacht und nicht in dieser Richtung.
Hastig entriegelte sie das Fenster. Der eisige Wind fuhr herein, riss ihr den Rahmen aus der Hand und schlug ihn scheppernd gegen die Wand.
Sie beugte sich hinaus, und der Sturm griff nach ihr. Über dessen Heulen und Pfeifen hinweg erklang unvermindert das Läuten der Glocken.

2) ein neuer Gedankengang beginnt

 Für einen Lidschlag floss ein blaues Leuchten über das Flammenmeer, und Albas Blick schoss zu dem filigranen Eisenturm, der sich aus dem Qualm erhob. Ein weiteres Leuchten jagte über das Metallgestänge, bevor es ebenso schnell verblasste, wie es erschienen war.
Die Regierung hatte immer versichert, es würde zu keiner zweiten Irrlichtkatastrophe kommen. Auch wenn Alba damals sehr jung gewesen war, wusste sie, dass vor gut zwei Jahrzehnten eine der drei Irrlicht fördernden Manufakturen – und mit ihr eine Handvoll Straßenzüge – zerstört worden waren.

3) sich der Fokus ändert

Langsam lockerte sie ihren Griff.
Der Vogel blieb liegen, die Augen geschlossen.
Hastig knotete sie den Verband zusammen. Mit einem Seufzer entfernte sie das Vergrößerungsglas und wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. Das Gefieder der Krähe hob und senkte sich gleichmäßig.

Dadurch weiß der Leser sofort, hier kommt etwas Neues. Nutzt man an diesen Stellen keinen Absatz, muss der Leser selbst entschlüsseln, wo die Handlung, der Gedanken oder der Fokus wechseln, und das wiederum kann ihn aus dem Text werfen.

Dieses Prinzip lässt sich genauso auf Dialoge übertragen, wobei hier die Handlung hier in zwei Teile aufgespalten sein kann: Das Gesprochene an sich sowie das zugehörige Inquit (z. B. “sagte er”) bzw. eine Handlung (z. B. “Sie lachte.”).

Absätze brauchen wie alle Stilmittel etwas Zeit, bis sie verinnerlicht sind und richtig sitzen. Trotzdem wird es immer Stellen geben, wo es kein Richtig oder Falsch gibt. Und bis zu einem gewissen Grad ist es natürlich auch eine Geschmackssache, da jeder seinen Text anders aufbaut. Trotzdem sollte der Absatz immer als eigene Einheit betrachtet werden, die der Geschichte ihren Rhythmus gibt.

Der Rhythmus

Wenn man ein Buch aufschlägt, kann man anhand der Absätze schon erkennen, wie das Tempo ist. Lange Absätze deuten auf Beschreibungen und ruhige Momente hin, auf innere Monologe und viel Zeit. Kurze Absätze dagegen gibt es bei Dialogen, Action und Handlung.

Ein grober Richtwert bei Nicht-Dialogen sind hier drei bis vier Sätze. Je nach Länge dieser können es auch mal mehr oder weniger sein.

Tipp

Wenn man schon beim Schreiben an die Absätze denkt, kann man seinen Text viel besser strukturieren. So merkt man schneller, wo man unnötige Längen, z. B. bei inneren Monologen oder Beschreibungen, oder wo man noch etwas Luft hat, den einen oder anderen Gedankengang zu vertiefen.

Und man schreibt seinen Text schon so, dass man Stellen meidet, wo sich nur ganz blöd ein Absatz setzen lässt.

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