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Aufruf an alle Buchmenschen

Du schreibst Bücher? Du bloggst über Bücher? Du lektorierst, korrigierst, setzt, layoutest, übersetzt, redigierst, bewirbst, verkaufst Bücher? Wenn eins davon zutrifft, spreche ich dich hiermit offiziell an. Wenn mehreres davon zutrifft, noch viel mehr. Dass heute zufällig #WelttagdesBuches bzw. #WorldBookDay ist, spielt keine Rolle. Die Worte, die ich an dich richte, gelten jeden Tag, jede Stunde, zu jeder Zeit.

Schau dich bitte auf der Straße um … äh, ich meinte: Visualisiere das Bild einer Straße vor der coronapandemischen Ausgangssperre. Bei wie vielen Menschen könnte man durch ihre äußere Erscheinung oder durch ihre Handlungen (Sprache von rassistisch markierten Menschen sprechen, Gleichgeschlechtliche küssen, Gehhilfen benutzen …) vermuten, dass sie sie einen Migrationshintergrund oder eine Behinderung haben, dass sie queer sind?

Jetzt schau dich in deiner Buchbubble um.

  • Wie viele Freunde und Bekannte hast du? Wie viele davon sind BI_PoC?
  • Wenn du 10 deutschsprachige Autor*innen empfehlen würdest, wie schnell fallen sie dir ein? Und wer fällt dir ein?
  • Wenn du 10 deutschsprachige Autor*innen of Color empfehlen würdest, wie schnell fallen sie dir ein? Und wer fällt dir ein?
  • Wie viele von deinen Buchbekanntschaften in der Bubble veröffentlichen in Publikumsverlagen? Wie viele davon sind BI_PoC?
  • Zusatzfrage: Wie viele von den BI_PoC, die dir eingefallen sind, sind queer, mit Behinderung, chronischen Krankheiten …?

Die obigen Fragen kannst du dir auch noch mal statt mit BI_PoC mit anderen marginalisierten Gruppen stellen.

Nein, es liegt nicht daran, dass BI_PoC oder queere Menschen oder Menschen mit Krankheiten oder Menschen mit Behinderungen nicht schreiben. Aber es ist hier auch nicht in meinem Sinne, die Gründe zu analysieren. Wichtig ist mir, dass du dir überlegt, welche Rolle du spielst und was du tun kannst.

Überlege dir, welche Rolle du in der Buchwelt spielst

Wenn du auf Social Media unterwegs bist und auf irgendeine Weise influencierend bist, was kannst du tun, damit sich die Personen aus marginalisierten Gruppen wohler fühlen? Wenn dein Brot-und-Nudel-Job mit Büchern zu tun hat, du in einem Verlag arbeitest, oder wenn du in Autor*innen-Verbänden und Netzwerken aktiv bist, was kannst du tun, damit sich die Personen aus marginalisierten Gruppen wohler fühlen? Was kannst du tun, um diese Autor*innen zu unterstützen?

Englischsprachige Autor*innen-Verbände haben Beiräte für Diversity, Ethic Committees … natürlich sie die Vertreter*innen aus entsprechenden marginalisierten Gruppen. Englischsprache Verlage und Agenturen machen es sich zum Ziel, unterrepräsentierte Autor*innen zu unterstützen. Wie sieht es in Deutschland aus?

The Good Literary Agency was founded in 2018 explicitly to represent British authors from backgrounds under-represented in UK publishing including writers of colour, working class, disability, LGBTQ and anyone else who feels they or their stories are under-represented.The Good Literary Agency

 

Und nun zu dir.

Du kannst diesen Thread durchlesen, nicken und danach wieder deinen normalen Alltag nachgehen. Du kannst aber auch etwas ändern. Weil du ein Teil der Gesellschaft bist. Weil du ein Teil der Buchwelt bist. Weil es dir wichtig ist, dass alle zusammenhalten, und man sich nicht im Konkurrenzkampf einander die Augen auskratzt. Daher lasse nicht mehr zu, dass deine Buch-Mitmenschen ausgenutzt, an den Rand gedrängt und zum Schweigen gebracht werden.

Wenn du meine Tweets, Instagram-Stories und meinen Blog liest, findest du Tipps, wie man Geschichten authentischer, vielschichtiger, exakter, sensibler, respektvoller sind. Es sind Tipps für privilegierte Autor*innen, damit sie besser über Marginalisierte schreiben können.

Und was ist mit den marginalisierten Autor*innen?

Lies den gesamten Verlauf dieses Tweets: https://twitter.com/VictoriaLinnea1/status/1249374624753881089

Marginalisierte Menschen haben die Rolle, Inspiration für eure Geschichten zu geben. Marginalisierte Menschen geben ein Teil ihrer Kultur, ihrer Lebenweise, ihrer Mentalität, ihrer Gedanken, ihrer Gefühle, damit das Figurenensemble von privilegierten Autor*innen diverser wird und die Romanfiguren tiefgründiger. Sie haben die Rolle, zu Recherchezwecken zu dienen oder als Sensitivity Reader, damit die diejenigen, die ohnehin schon die Buchbranche dominieren, noch besser ihre Bücher schreiben können.

Lasst sie nicht Trittbrett sein. Lasst sie nicht Recherchezweck sein. Lasst sie auch Autor*in sein. Unterstützen, promoten, einbinden, für einen Safer Space sorgen, mit gatekeependen Kolleg*innen reden und dafür sorgen, dass unterrepräsentierte Autor*innen einen Platz in der Buchbranche haben.

Allein kann ich das nicht. Ich brauche dich.

Lies meine Worte noch einmal, lass sie dir durch den Kopf gehen. Teile. Rede mit anderen darüber. Tu etwas.

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