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Projektmanagement beim Schreiben – Teil II

Das letzte Mal haben wir uns mit der Grobplanung eures Projektes beschäftigt – mit den Zielen und eurer ganz persönlichen Route durch das Projekt.

Heute soll es darum gehen, wie ihr die einzelnen Schritte eures Projektes gewichten könnt, wie ihr herausfindet, was für einen Aufwand hinter euren Meilensteinen liegt und wie ihr daraus konkrete Zeitpläne basteln könnt.

Schritt 3: Wie lange dauert eigentlich …?

Eines der schwierigsten Dinge an der Planung besteht darin, hochzurechnen, wie viel Zeit ihr für etwas Bestimmtes benötigt. Beim direkten Schreibprozess kann man den zeitlichen Aufwand noch am ehesten durch seinen durchschnittlichen Wordcount abschätzen, aber Planung, Korrektur? Das kommt einem manchmal wie ein Fass ohne Boden vor.

Deshalb wollen wir uns in diesem Schritt noch einmal von den Stunden und Minuten verabschieden und basteln uns unsere ganz eigene Messeinheit: die Storypunkte. Der Sinn dahinter besteht, ein Gefühl für das Aufwandsverhältnis zwischen den einzelnen Arbeitsschritten zu bekommen.

Nehmt dazu einen Baustein aus eurer Liste (z. B. die Rohfassung eines Kapitels), von dem ihr ein ungefähres Gefühl habt, wie lange ihr daran sitzen werdet. Oftmals ist das die Rohfassung einer Szene oder eines Kapitels. Dieser Baustein ist nun eure Referenz, sie ist genau einen Storypunkt wert.

Als nächstes kommen wieder Karteikarten ins Spiel. Schreibt auf jede Karte einen eurer Punkte eures Wegweisers, zusätzlich Kärtchen mit den Ziffern 1, 2, 3, 5 und 8. Legt die Ziffernkärtchen vor euch und fangt an, die Wegweiser-Kärtchen darunter zu verteilen: alle Aufgaben, die ähnlich aufwändig sind wie euer Start-Baustein, kommen unter die 1, alle ganz großen Aufgaben unter die 8, etc.

Dabei geht es nicht darum, dass alle Kärtchen unter einer Ziffer exakt den gleichen Aufwand besitzen, sondern darum, dass ihre Dimension ähnlich ist.

Schritt 4: Endlich kommt die Zeit ins Spiel …

Inzwischen habt ihr bereits eine ziemlich solide Planung von eurem Projekt, anhand derer ihr jederzeit abschätzen könnt, wo ihr euch ungefähr auf der Strecke befindet – und das völlig ohne konkrete Zeiten benennen zu müssen.

Aber natürlich reicht das gerade für die Profis unter euch nicht aus. Ihr müsst wissen, bis wann ihr den nächsten Roman fertiggeschrieben habt oder ob ihr die Deadline auch wirklich halten könnt. Deshalb kommt jetzt der große Moment der Umrechnung. Sucht euch ein paar der Wegweiser-Kärtchen aus, die ihr am besten zeitlich einschätzen könnt und schaut nach, wie viel Zeit ein Story-Punkt in etwa verbraucht.

Wenn ihr das habt, könnt ihr jetzt den Gesamtaufwand für euer Projekt hochrechnen und – falls ihr eine tägliche bzw. wöchentliche Stundenzahl zum Schreiben habt – euren Zieltermin bestimmen. Aber auch diejenigen unter euch, die nicht regelmäßig zum Schreiben kommen, haben so ein ungefähres Gefühl, wie viel Arbeit sie in das Projekt investieren müssen.

Fazit

Natürlich besteht Schreiben aus viel mehr als Deadlines und hochgerechneten Wordcounts – und oftmals stößt man auf Schwierigkeiten, an die man vorher nie gedacht hätte. Deshalb ist das, was ihr aus diesen vier Schritten als Ergebnis bekommt, auf keinen Fall in Stein gemeißelt. Es ist eine Planung, ein ungefähres „Wo stehe ich?“ und wenn ihr merkt, dass ihr mit eurer Schätzung völlig danebengelegen habt, fühlt euch frei, die Planung an eure persönliche Realität anzupassen.

Warum so eine Planung trotzdem helfen kann?

Ihr habt nicht mehr nur ein abstraktes Ziel vor Augen, ein Ergebnis „irgendwann in der Zukunft“, sondern ihr seht eure Route schwarz auf weiß, die euch an euer Ziel bringen kann – und gleichzeitig beschreibt sie auch den Weg, den ihr bereits zurückgelegt habt.

Ich selbst bin oft genug frustriert gewesen, wenn ich den Berg an Dingen vor mir gesehen habe, die mir noch zu meinem Ziel fehlten, während ich die Sachen, die ich bereits geschafft habe, völlig aus den Augen verloren hatte.

Deswegen versucht, diese Planung nicht als Druckmittel zu nehmen, sondern als Motivation. Denn so lange der Weg zum Ziel auch noch sein mag, ich bin mir sicher, dass der Weg, der hinter euch liegt, genauso lang gewesen ist.